Lesegeschichten aus dem Hinterland

Schärabeng!

Die einfach gebauten Häuser des Hinterlandes haben oft ein Problem mit Schimmelbildung. Wir saßan schon in Küchen, da war eine Wand und die halbe Decke schwarz.

Aber da gibt es ein wahres Wundermittel, das alle benutzen: Chlorbleiche! Die gibt es im Supermarkt in 5l-Kanistern. 

Daß die gerne und reichlich benutzt wird erkennt man daran, daß es in manchem Haus oder Gaststätte riecht wie im Technikraum vom Hallenbad.

In unserem Lehmhaus haben wir eigentlich kein Schimmelproblem, weder im Bad noch in der Küche. "Eigentlich" .... denn es gibt drei kleine Stellen, da kann sich im Winter Schimmel bilden. Nicht viel, aber doch so, daß wir was dagegen machen wollen, ist klar.

Zwei Fenster und die Tür sitzen in Nischen, da die Umrandungen noch diese alten, behauenen Steine sind, die wir unbedingt erhalten wollten. Ansonsten ist die Lehmwand mind. 50 cm dick.

Und genau in diesen Nischen, wo die Wand eben dünn ist und - bei Kälte draußen -  sich das Kondenswasser bildet, taucht spätestens im Februar der Schimmel auf.

Unseren ersten Putzattacken mit wohlduftendem Lavendelputzmittel hat der Schimmel tapfer getrotzt.

Also, holen wir uns auch so ein Kanisterchen und kriegen bei der Anwendung fast eine Chlorgasvergiftung ...

Mit scharfem Strahl fliegt die Flüssigkeit an die Wand und bildet Schaumberge, ein beissender Chlorgeruch macht sich breit und nach 10 Minuten ist die Wand blütenweiß, es ist unglaublich!

Wir reißen sämtliche Türen und Fenster auf und stolpern Luft schnappend nach draußen.

In diesem Augenblick kommt Catarina in ihrem Lieblingsoutfit, dem cremefarbenen Frottee-Bademantel, vorbei, stellt sich in den Gang, holt tief Luft und mit ausgebreiteten Armen ruft sie mit ihrer lauten Stimme strahlend "hmmmmm, cheira bem!" - was soviel heißt wie "hmmmm, hier riecht es aber gut".

Seit dieser Zeit heißt das Teufelszeug bei uns Schärabeng! und wird auch nur noch in homöopatischen Dosen angewendet.